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  Tinnitus: Neue Forschungen zur Diagnostik und Therapie

Menschen mit Tinnitus hören Geräusche, die von anderen nicht wahrgenommen werden. Diese Ohrgeräusche, die wie Klingeln, Pfeifen, Brummen, Rauschen, Knacken oder Klopfen beschrieben werden, können so laut sein, dass die Betroffenen davon sehr beeinträchtigt sind. Besonders störend wird ein Tinnitus in geräuscharmer Umgebung empfunden.


Bis heute sind die Ursachen unbekannt. Vermutet werden Durchblutungsstörungen im Kopf- und Innenohrbereich. Muskelverspannungen im Hals- oder Kieferbereich, möglicherweise durch Stress verursacht, führen ebenfalls zu Durchblutungsstörungen. Auch nach einem Hörsturz (akuter Hörverlust ohne erkennbare Ursachen) klagen viele Patienten über Ohrgeräusche.


Eine objektive Methode zur Diagnostik gibt es bisher nicht, ebenso keine Heilung. Nachweise zur Wirksamkeit der bisher üblichen Infusionsbehandlung mit durchblutungsfördernden Medikamenten konnten in wissenschaftlichen Untersuchungen nicht erbracht werden. Im Vergleich mit Placebo-Behandlungen war die Infusionstherapie dem Scheinmedikament nicht überlegen.
Zur Linderung der Beschwerden wurden zahlreiche Methoden entwickelt: das überdecken (Maskieren) der störenden Höreindrücke mit weißem Rauschen, Vitamingaben, Entspannungsübungen, Ernährungsumstellungen und Psychotherapie. Einigen Menschen hilft es, wenn sie sich in geräuschvoller Umgebung aufhalten.
Früher hat man in schweren und chronischen Fällen den Hörnerv operativ durchtrennt. Der Hörnerv verbindet das Innenohr mit dem Gehirn. Trotzdem trat der Tinnitus in den meisten Fällen weiterhin auf. Daher vermutet man heute als Entstehungsort nicht mehr das Innenohr, sondern die Hörzentren des Gehirns.

Wissenschaftlern vom Henry Ford Hospital in Detroit (USA) ist es jetzt erstmals gelungen, den Tinnitus anhand veränderter Hirnaktivitäten objektiv nachzuweisen. Mit der Magnetenzephalografie (MEG) ist es möglich, kleinste elektrische Aktivitäten des Gehirns als Magnetfelder anzuzeigen und den Ort sowie die Intensität der elektrischen Ströme zu bestimmen. Die MEG-Hirnstromdiagramme zeigten bei Patienten mit beidseitigem Tinnitus Aktivitäten im auditiven Cortex, den Hörzentren beider Hirnhälften. Bei Patienten mit linksseitigem Tinnitus lag die Hirnaktivität im rechten Hörzentrum und bei rechtsseitigem Tinnitus im linken Hörzentrum. Das entspricht der Verarbeitung von Sinnesreizen einer Körperhälfte in der gegenüber liegenden Hirnhälfte.

Michael Seidmann, HNO-Arzt am Henry Ford Hospital in Detroit, erforscht seit einigen Jahren den Einsatz von Mikroelektroden, die in die Hörareale des Gehirns implantiert werden und durch ?überschreiben? elektrischer Ströme zu einer Reduzierung oder Beseitigung der lästigen und quälenden Geräusche führen. Bei ersten Versuchen an zwei Patienten gab es deutliche Erfolge. In einem Fall sind die Ohrgeräusche nahezu verschwunden, im zweiten Fall deutlich reduziert.

Die neuen Erkenntnisse lassen hoffen, dass bald bessere und wirksamere Methoden zur Diagnostik und insbesondere zur Behandlung entwickelt werden.

Ddp/wissenschaft.de, 05.10.2009, Martina Bisculm
Michael Seidmann, Otolaryngologe am Henry Ford Hospital, Detroit: Vortrag af dem Jahrestreffen der Amerikanischen Akademie für Hals-Nasen-Ohrenheikunde, San Diego

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