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  Simultanes Sprachverstehen erblich bedingt

Gleichzeitig zwei sprechenden Personen zuzuhören und zu verstehen, was sie sagen, gilt als herausragende Fähigkeit in der sprachlichen Kommunikation. Untersuchungen am National Institute on Deafness and Other Communication Disorders (NIDCD) an den National Institutes of Health (Bethesda, USA) sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die gleichzeitige Verarbeitung von zwei auditiven Reizen in hohem Maß genetisch bedingt ist. Die Forscher hoffen, durch ihre neuen Erkenntnisse besser erklären zu können, wie bestimmte Störungen der auditiven Wahrnehmung, der Sprachentwicklung und des Lernens entstehen.

"Der Prozess des Hörens endet nicht bei den Ohren", sagt James F. Battey, Jr., M:D:, Ph.D., der Direktor des NICD. "Er beinhaltet auch einen Teil des Gehirns, der uns hilft, das Gehörte zu interpretieren. Dies ist die erste Untersuchung, die zeigt, dass die Menschen in ihrer Fähigkeit, Gehörtes zu verarbeiten, sehr verschieden sind, und diese Unterschiede sind erblich bedingt."
Auditive Verarbeitung befähigt uns unter anderem dazu, die Richtung, aus der ein Geräusch kommt, zu orten und die Reihenfolge mehrerer akustischer Reize zu erkennen. Wir unterscheiden zwischen wichtigen Geräuschen, auf die wir achten sollten (sog. Nutzschall) und unwichtigen Geräuschen im Hintergrund (sog. Störschall), die wir ignorieren können. All diese Fähigkeiten scheinen eine wichtige Rolle für die Sprachentwicklung und für den Erwerb der Schriftsprache zu spielen, die Zusammenhänge sind bisher aber noch weitgehend ungeklärt.

Zur Untersuchung des simultanen Sprachverstehens spielten die Wissenschaftler 138 eineiigen und 56 zweieiigen Zwillingen zwischen 12 und 50 Jahren über Kopfhörer gleichzeitig zwei Stimmen vor. Diese Untersuchung wird auch "Dichotischer Hörtest" genannt. Das rechte Ohr hörte ein einsilbiges Wort oder eine sinnlose Silbe des einen Sprechers, das linke Ohr hörte ein anderes einsilbiges Wort oder eine Silbe des anderen Sprechers. Die beiden gehörten Wörter sollten wiedergegeben werden. Störungen des dichotischen Hörens findet man bei Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen und Lese-Rechtschreibschwäche (Dyslexie) ebenso wie bei Erwachsenen, die nach einem Schlaganfall Sprachprobleme (Aphasie) haben.?

In den Testergebnissen fanden die Forscher eine deutlich höhere übereinstimmung bei den eineiigen Zwillingen und schließen daher aus ihren Testergebnissen, dass Unterschiede in der auditiven Wahrnehmungsfähigkeit genetisch bedingt sind.
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NIDCD, National Institutes on Deafness and Other Communication Disorders, www.nih.gov/news/releases 17.7.2007

 

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